Über Mich

Ich bin viele Wege in meinem Leben gegangen, mit Irrungen und Wirrungen. Habe glückliche Stunden erlebt, und Zeiten des Schmerzes. Und ich bin schließlich angekommen. Jetzt empfinde ich mein Schicksal gut, so wie es ist- weil ich das Leben, das richtige Leben wertschätzen gelernt habe.

Auch wenn es für viele nicht zu verstehen ist, bin ich in meinen Aufgaben sehr glücklich und erfüllt. Um Ihnen meine Gedanken näher zu bringen, schreibe ich sie jetzt hier an dieser Stelle für Sie auf. Dieser Schritt, über mich selbst zu schreiben, fällt mir schwerer als eine Rede für einen Verstorbenen zu Papier zu bringen.

Ich selbst hatte lange Zeit im Bestattungsbereich gearbeitet, hatte all das getan, was von einer Bestatterin verlangt wurde. Ich machte zusätzlich Abschiedsnamen und die Verstorbenen zurecht für die letzte Reise. Ich schaute schon mein ganzes Leben zwischen die Zeilen und nie auf die Uhr.

Doch so wie es vorgegeben wurde, war es nicht gut, nicht würdig am Abschluss eines Lebens. Dass die Reminiszenz über einen Verstorbenen ausgearbeitet und vorgetragen wird, wie der Lebenslauf einer Bewerbung, hatte ich einfach satt. Dann sollte ich für einen Trauerredner einmal einspringen, und so fing alles an.

Ich bin selbst Mutter von drei tollen Kindern 24, 19 und 13 und ich habe meine große Liebe gefunden – ich bin im Leben angekommen.

Doch zurück zu meiner ersten Trauerrede. Ich hatte bis dato gefühlt 1000 Trauerreden gehört und empfand sie zum großen Teil in einem 08-15 Modus. Was nun? Diesen Stil kopieren wollte ich nicht. Ich schrieb nun so, als würde ich diese Rede als letzte Rede für mich selbst schreiben. Ich machte daraus eine Geschichte.

Jede Geschichte hat einen Anfang und ein Ende. So begann mein neuer Weg.

Ich schaue nach wie vor nie auf die Zeit, diese Stunden sollen den Trauernden das Gefühl geben, nicht nur ein Kunde zu sein. Manche brauchen mich nur 2 Stunden im Trauergespräch, bei anderen wiederum sitze ich den ganzen Tag. Es ist oft unerklärlich für Trauernde, wie schnell so ein Tag rumgehen kann. Manche Menschen, die mich erst als unnahbar empfanden, fragen, ob sie mich nach dem Trauergespräch einmal drücken dürfen. Ja natürlich dürfen sie das!

Ein ganzes Leben in einem Gespräch wiederzugeben ist sehr anstrengend, aber meist tut es gut und befreit ein wenig vom Schmerz. Ich höre zu und stelle Fragen. Manche bieten mir das DU an, was mir persönlich eine Ehre ist.

Das Ende ist schon in Sicht.
Ich lass dich nicht im Stich.
So lange wie Ihr mich braucht.
Ich bin der denkende Kopf,
die helfende Hand in eurer schweren Zeit.

Es ist so schwer… ein Kind, eine Mutter oder den Vater oder einen anderen lieben Menschen zu verlieren…

Ja, das ist es!

VÖLLIG EGAL, WER ES IST, WANN ES GESCHIEHT UND WIE LANGE MAN SICH KANNTE.
WENN MAN LIEBT, IST ES IMMER SCHWER.

Ich habe selbst beide Eltern im jungen Alter verloren. Meine Kinder mussten also ganz ohne Großeltern aufwachsen. Ich habe unzählige Schicksale einstecken müssen, ich weiß, wie man sich fühlt, allein zu sein. Ein Mensch ist gegangen und alle um einen herum leben ihren Alltag so weiter wie immer.

Ich kann mit Ihnen mitfühlen.

Für einen Liebenden sollte man den letzten Abschied so gestalten, wie es die Würde des Menschen erfordert. Und dies ganz ohne Tabus. Stellen Sie sich vor, es wird manchmal sogar bei einem Abschied gelacht, wenn die Lebensgeschichte den entsprechenden Anlass dazu gibt. Es ist immer individuell. So wie auch die Geschichte und der Aufwand immer anders ist. Es wird kein bloßer Lebenslauf vorgetragen.

Ich sang schon mit einer Trauernden und ihren Gästen zum Abschied „Sag mir wo die Blumen sind“, weil sie genau mit ihrem Lied des damaligen Kennenlernens ihren Abschied nehmen konnte. Sie spielte einfach so wie damals auf ihrer Gitarre und ich fing an zu singen. Alle sangen mit. Es waren mehrere 100 Leute.

DAS WAR EIN SCHÖNER, EIN WÜRDIGER ABSCHIED.

Es ist egal, ob ich die Kirche mit Tiffani-Bildern aushänge, eine Vitrine mit Absatzschuhen fülle, die Live Hymne vom BVB spiele, eine Diashow läuft, ein Gabentisch- oder Andenkentisch, alle Grüße, mit dem Gruß – mit dem sich untereinander immer begrüßt wurde … Es ist immer individuell und soll zu dem Menschen passen, von dem Abschied genommen wird.

Es ist eine Basis des gegenseitigen Vertrauens und der Wertschätzung, wenn ich mit „meinen“ Bestattungsinstituten zusammenarbeite. Es geht uns ja schließlich um einen letzten Abschied. Dieser sollte einfach passen, ob schlicht oder in großem Rahmen. Der abgetragene Spruch: „Nichts ist umsonst. Selbst der Tod kostet das Leben“, lässt bei den Betroffenen, neben dem menschlichen Verlust, auch Angst vor den Kosten des Abschiednehmens aufkommen.

Mir geht es nicht darum, mich an der Trauer der anderen zu bereichern. Nein, ich möchte zu Ehren des Verstorbenen und zum Weiterleben für Sie, das Beste daraus machen. Nun können Sie das natürlich alles infrage stellen. Somit sage ich Ihnen genau meinen Vorteil. Diesen kann man nicht bezahlen. In solch einem Moment sind wir alle gleich.

Egal, ob finanzstarke Geschäftsleute oder die kleine Hausfrau- wenn ein liebender Mensch zurückbleibt, hat der Verstorbene das Recht auf einen schönen Abschied, der ihm gebührt.

Ich selbst war damals allein in solch einer Situation.

Oft dachte ich, dies oder jenes hätte ich doch machen können. Keiner hatte in dieser schnelllebigen Zeit ein Ohr oder eine Idee für mich. Ich habe viele Überstunden in meinem Leben unentgeltlich gearbeitet. Diesen Dank, den ich von Trauernden bekommen habe, kann mir keiner mit Geld bezahlen. Ich habe durch meine Aufgabe gelernt, in meinen Garten zu sitzen und die Bäume rauschen zu hören.

Ich habe gelernt, dass die Zeit zum Abschiednehmen immer viel zu früh kommt. Zeit, die doch das Wichtigste ist, wie schnell ist sie vorbei. Ich habe durch meine Aufgabe gelernt, andere Werte, zu schätzen. Mich lieber in meinen materiellen Dingen einzuschränken und das Wesentliche zu sehen.

Mein Handy einmal zur Seite zulegen, den Vögeln oder Schmetterlingen beim Fliegen zuzusehen. Das hätte ich vor ein paar Jahren noch nicht über mich sagen können, nein ich hätte mich selbst ausgelacht.

Viele tolle Menschen durfte ich durch meine Arbeit schon kennenlernen. Aber auch an vielen schlimmen Schicksalen musste ich teilhaben. Daher bin ich glücklich darüber, meine Kinder gesund und munter drücken zu dürfen. Auch wenn ich selbst keine Eltern mehr habe, genieße ich doch eine normal gekochte Tasse Kaffee und wenn ich Glück habe, ein selbst gebackenes Stück Kuchen.

Ich trage jeden einzelnen Auftraggeber in meinem Herzen und dafür ist mir auch kein Weg zu weit.

Wenn Sie sich die Mühe gemacht haben, diese Zeilen bis zum Schluss zu lesen, danke ich Ihnen schon einmal aufrichtig. Haben Sie noch irgendeine Frage? Scheuen Sie sich nicht!

Egal, wofür sie sich entscheiden, es wird das Richtige für Sie sein.